top of page

Ist Milch schleimfördernd und sollte bei Erkältung vermieden werden?

Die Behauptung, dass Milch schleimfördernd sei, ist sehr weit verbreitet und dies seit einer langen Zeit. Deshalb wurden auch schon einige Studien zu diesem Thema veranlasst um diese Hypothese zu überprüfen. Es muss aber erwähnt werden, dass diese Studien größtenteils aus den 1990er Jahren und max. frühen 2000ern stammen. Neuere Veröffentlichungen zu diesem Thema sind Übersichtsarbeiten, die die bereits bestehenden Studienergebnisse erneut untersuchen.


Was wurde also herausgefunden? Ist Milch schleimfördernd?


Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen relativ eindeutig (eindeutiger als bei vielen anderen Theorien) keine Förderung der Schleimproduktion beim Konsum von Milch [1-4]. Dies wurde in mehreren Studien unabhängig voneinander festgestellt. Egal ob im Vergleich zu Kontrollgruppen, die keine Milch tranken, Sojamilch oder einfach nur geringere Mengen an Milch zu sich nahmen, es zeigte sich immer, dass es keinen erkennbaren Unterschied hinsichtlich der Schleimproduktion gab [1].


Milch im Glas und im Krug

Was jedoch feststellbar war, war das Gefühl von mehr oder dickerem Schleim im Hals bei Menschen die Kuhmilch tranken [1-3]. Diesem Phänomen wurden unterschiedliche Ursachen zugrunde gelegt. Einerseits handelt es sich bei Milch um eine sogenannte Emulsion, i.e. eine Lösung in der Fett und Wasser homogen vermischt sind. Diese Emulsion kann sich mit dem Speichel vermischen und dadurch das Gefühl erzielen, dass mehr Schleim gebildet wurde. Andererseits bewirkt die Aufnahme von Milch, genauso wie die von Wasser, dass mehr Speichel gebildet wird. Und da Speichel auch kleine Schleimbestandteile aufweist, kann dieses Gefühl von Enge und Verschleimung noch zusätzlich verstärkt werden [3].


Des Weiteren spielt auch die Psyche in diesem Fall eine Rolle. Während neutral gesehen keine nennenswerten Änderungen in der Schleimproduktion auftreten, kann das subjektive Gefühl durchaus abweichen [2]. Bei einer Untersuchung in Australien fiel den Forschern auf, dass Personen, die an diese Behauptung glauben, direkt beim Konsum stärkere Symptomatiken beschrieben, als diejenigen, die nicht daran glaubten. Nach 4 bzw. 24 Stunden zeigten sich jedoch keine Unterschiede mehr. Auch im Vergleich zu Sojamilch konnten keine nennenswerten Erhöhungen der Schleimproduktion, Entzündungswerte oder Erkältungssymptome ermittelt werden [1].


Was bedeutet das für uns? 


Kurz gesagt: Wir müssen uns nicht mehr fürchten, dass wir bei Erkältung keine Milch mehr trinken dürfen und wir dadurch am Schleim ersticken werden. Es wäre sogar möglich, dass unsere Psyche dabei eine beträchtlichere Rolle spielt als uns lieb ist.


Milch wird aus Strohhalmen getrunken


Quellen:


[1]

Balfour-Lynn I. M., 2019, Milk, mucus and myths, Archives of Disease in Childhood, 104(1), 91–93.

[2]

Wüthrich B., Schmid A., Walther B., & Sieber R., 2005, Milk consumption does not lead to mucus production or occurrence of asthma. Journal of the American College of Nutrition, 24(6 Suppl.), 547S–555S.

[3]

Zaitlin P., Dwyer J., Gleason G. R., 2013, Mistaken Beliefs and Facts About Milk and Dairy Foods, Wolter Kluwer Health | Lippincott Williams & Wilkins, Volume 48, Number 3

[4]

Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET), Mythen im Faktencheck: Milch & Gesundheit, 3.4.2026, Website: https://fet-ev.eu/kurzprofil/faktencheck-milch-gesundheit/


Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page