Hilft Magnesium bei Muskelkrämpfen?
- Peter Messner BBSc

- 25. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
Magnesium spielt im Körper eine wichtige Rolle in der normalen Funktion von Muskeln und Nerven und ist unter anderem am Prozess der Muskelkontraktion und -entspannung beteiligt. Daraus wurde natürlich geschlossen, dass eine zusätzliche Gabe von Magnesium bei Muskelkrämpfen entspannend und somit krampflösend sei. Ob diese Annahme stimmt, werden wir in diesem Beitrag genauer betrachten.

Ursachen für Muskelkrämpfe
Die Ursachen von Muskelkrämpfen sind noch nicht vollumfänglich geklärt. Dennoch werden mehrere Theorien dazu besprochen [1,2]. Wichtig ist hierbei zu beachten, dass zur Ermittlung der Ursache eine genaue Anamnese notwendig ist.
Die Idee hinter dem Mythos
Die Grundidee hinter der Entstehung dieser Theorie kommt nicht aus dem Nichts. Magnesium dient der normalen Funktion der Muskelzelle und beeinflusst unter anderem ihren Energiestoffwechsel und ihre Erregbarkeit. Dabei spielt es unter anderem eine wichtige Rolle bei der Regulation der Muskelkontraktion und -entspannung. Besteht also ein sehr starker Magnesiummangel im Körper, dann kann es unter anderem tatsächlich verstärkt zu Muskelkrämpfen kommen. [3,4]. Zusätzlich gab es bereits früh Hinweise auf potenziell positive Effekte von Magnesium bei Muskelkrämpfen während der Schwangerschaft [4]. Da Magnesium physiologisch also eine Rolle in der Muskelentspannung spielt, liegt die Idee sehr nahe, dass eine zusätzliche Supplementierung bei bestehenden Krämpfen auch entspannende Effekte haben kann.
Magnesium in der Behandlung von Muskelkrämpfen

Derzeit ist die Idee sehr verbreitet, dass ein Magnesiummangel häufig die Ursache eines bestehenden Muskelkrampfs ist. Deshalb liegt es nahe, dass eine Supplementation krampflösend oder präventiv wirken kann. Allerdings zeichnet der aktuelle wissenschaftliche Stand ein anderes Bild. Mehrfach wurden in der Vergangenheit Studien mit dieser Fragestellung durchgeführt und es konnte in den meisten Fällen keine relevante Besserung der Muskelkrämpfe hinsichtlich ihrer Intensität, Dauer oder Häufigkeit erkannt werden [3,4]. Es gab zwar früher Untersuchungen, die eine potenziell positive Wirkung von Magnesiumsupplementen bei Krämpfen in der Schwangerschaft zeigten, allerdings konnten spätere Untersuchungen diesen Nutzen nicht überzeugend bestätigen [3,5]. Ein ausgeprägter Magnesiummagel sollte unabhängig von Krämpfen behandelt werden, da er verschiedene neuromuskuläre Beschwerden verursachen kann. Daraus lässt sich aber nicht schließen, dass gewöhnliche Wadenkrämpfe durch einen Magnesiummangel verursacht werden. In den meisten Fällen zeigt eine zusätzliche Magnesiumgabe keinen nennenswerten Effekt [3-5]. In einer Placebokontrollierten Studie konnte sowohl unter Magnesium als auch unter Placebo die Krampfanzahl reduziert werden. Allerdings zeigte sich zwischen den zwei Gruppen kein relevanter Unterschied. Dies zeigt, dass auch der Placebo-Effekt bei der Behandlung eine Rolle spielen könnte [6].
Fazit: Hilft Magnesium bei Muskelkrämpfen?
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der aktuelle wissenschaftliche Stand keine überzeugenden Hinweise auf eine Besserung von Muskelkrämpfen durch eine Magnesiumsupplementation liefert. Insbesondere bei Krämpfen mit undefinierter Ursache zeigt sich kein klinisch relevanter Nutzen. Ähnlich sieht es bei belastungsassoziierten Krämpfen aus. Hier gibt es zu wenige geeignete Studien um einen therapeutischen Nutzen von Magnesium zu belegen. Bei Krämpfen in der Schwangerschaft ist die Evidenz dagegen noch widersprüchlich und erfordert weitere Untersuchungen.

Bei einem bestehenden Magnesiummangel sollte ist eine Supplementation dagegen sinnvoll. Diese sollte allerdings unabhängig von den Muskelkrämpfen geschehen.
Die Lösung
Da die Ursache von Muskelkrämpfen in den meisten Fällen nicht klar ist, ist auch keine Möglichkeit bekannt um sie zu 100% zu vermeiden. Man kann allerdings durchaus Vorsichtsmaßnahmen treffen um das Risiko zu reduzieren. Eine ausreichende Flüssigkeits- und Nährstoffzufuhr ist grundsätzlich wichtig für die normale körperliche Funktion. Ob eine zusätzliche Flüssigkeits- oder Elektrolytzufuhr Krämpfe verhindert, hängt jedoch von der jeweiligen Situation ab und ist nicht für alle Krämpfe belegt. Ebenso wird vermutet, dass eine Ermüdung der Muskulatur ihre Erregbarkeit erhöht [1]. Deshalb sollte auch darauf geachtet werden, eine übermäßige Ermüdung der Muskulatur zu vermeiden.

Sollte es dennoch zu bewegungsassoziierten Muskelkrämpfen kommen, zeigen einige Hausmittel durchaus positive Effekte. Dazu gehört unter anderem Essiggurkenwasser. Einige Studien zeigen, dass belastungsassoziierte Krämpfe dadurch teilweise sehr schnell verkürzen können. Da die Effekte teilweise innerhalb kürzester Zeit eintreten, liegt die Theorie nahe, dass es sich hierbei um einen neuromuskulären Mechanismus handelt [1]. Senf wird ebenfalls häufig als Hausmittel gegen belastungsassoziierte Krämpfe empfohlen. Für seine Wirkung gibt es allerdings nur eine rein anekdotische Evidenz. Das bedeutet, dass die Idee der neuralen Wirkung zwar plausibel, aber noch nicht ausreichend klinisch untersucht ist.
Quellen:
[1] | Miller, K. C., McDermott, B. P., Yeargin, S. W., Fiol, A., & Schwellnus, M. P. (2022). An Evidence-Based Review of the Pathophysiology, Treatment, and Prevention of Exercise-Associated Muscle Cramps. Journal of athletic training, 57(1), 5–15. |
[2] | Schwellnus MP Cause of Exercise Associated Muscle Cramps (EAMC) — altered neuromuscular control, dehydration or electrolyte depletion? British Journal of Sports Medicine 2009;43:401-408. |
[3] | Garrison SR, Korownyk CS, Kolber MR, Allan GM, Musini VM, Sekhon RK, Dugré N. Magnesium for skeletal muscle cramps. Cochrane Database of Systematic Reviews 2020, Issue 9. Art. No.: CD009402. |
[4] | Jeroen H. F. de Baaij. Joost G. J. Hoenderop, René J. M. Bindels, Magnesium in Man: Implications for Health and Disease, Physiological Reviews, Jan 2015 |
[5] | Jing Liu, Guang Song, Ge Zhao, Tao Meng, Effect of Oral magnesium supplementation for relieving leg cramps during pregnancy: A meta-analysis of randomized controlled trials, Taiwanese Journal of Obstetrics and Gynecology, Volume 60, Issue 4, July 2021 |
[6] | Roguin Maor N, Alperin M, Shturman E, et al. Effect of Magnesium Oxide Supplementation on Nocturnal Leg Cramps: A Randomized Clinical Trial. JAMA Intern Med. 2017;177(5):617–623. |



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