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Blutfette: Ernährung vs. Genetik

Einführung:


Ernährung zur Prävention von Herzkrankheiten

In Österreich verstarben lt. Statistik Austria ca. 90.000 Menschen im Jahr 2023. Der Großteil davon in einem Alter über 80 Jahren und dabei an Krankheiten die altersbedingt am häufigsten vorkommen. Dazu zählen vor allem Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen. Diese bilden auch altersangepasst die häufigsten Todesursachen in Österreich [1]. In diesem Beitrag wird darauf eingegangen, welchen Einfluss unsere Blutfettwerte auf das Risiko für Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems (kardiovaskuläres System) haben und inwiefern diese durch die Ernährung und den Lebensstil beeinflusst werden können. Auf medikamentöse Therapien und individuelle Empfehlungen kann hier nicht eingegangen werden [2].


Welche Bedeutung haben Blutfette für unsere Herz-Gesundheit?


Gerade in der Entwicklung der Atherosklerose spielt die Dyslipidämie (erhöhte Blutfette) eine zentrale Rolle. Sie kann nämlich dazu führen, dass sich an den Wänden unserer Blutgefäße sogenannte Plaques (Ablagerungen) bilden, wodurch die Gefäße sich verdicken, versteifen und sich ihr Innendurchmesser verengen kann. In schwerwiegenden Fällen kann es dann ohne rechtzeitige Intervention zu einer  Thrombose oder einer Embolie kommen und somit auch tödlich enden [2].


Wenn wir hier von erhöhten Blutfetten sprechen werden vor allem drei Werte in der aktuellen Literatur am häufigsten genannt: Apolipoprotein B (ApoB), LDL (schlechtes Cholesterin) und Lipoprotein(a) (Lp(a)). Das LDL-Cholesterin ist dabei der klinisch wichtigste Zielwert, während das ApoB nicht Teil des Standardblutbildes ist. Es zeigt allerdings genauer, wie viele dieser plaquebildenden Partikel vorhanden sind. Das Lp(a) ist nicht direkt ein Indikator für eine Dyslipidämie, allerdings ein zusätzlicher genetisch bestimmter Risikofaktor.


Jedoch können auch langfristig erhöhte Triglyceride das Risiko indirekt erhöhen. Das HDL, welchem noch vor wenigen Jahren eine sehr große präventive Wirkung zugesagt wurde, gilt heute nicht mehr als therapeutischer Zielwert, da jede Maßnahme, welche das HDL erhöht, parallel auch Triglyceride, ApoB oder LDL verringern kann und somit eher auf diese Weise zu einer Besserung  der Gesundheit beitragen kann. Eine isolierte Erhöhung des HDL (gutes Cholesterin) zeigt keine nachweisbare Risikoreduktion [2] [3].


Was sind mögliche Ursachen für die erhöhten Blutfette?


Ernährung gegen Genetik
Unsere Gene können einen sehr großen Einfluss auf unsere Blutfette haben

Sucht man nach der Ursache erhöhter Blutwerte, so stößt man relativ schnell auf einen Scheideweg. Entweder es liegt am Lebensstil oder an der Genetik. Was häufig aber nicht bedacht wird, ist, dass es in den meisten Fällen eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Lebensstilfaktoren ist.


Es ist wichtig mehrere Punkte in Betracht zu ziehen und sich nicht an einzelnen Blutfettwerten festzuhalten, da sie unterschiedlichen Einflussfaktoren unterliegen. Das LP(a)-Wert ist zum Beispiel überwiegend genetisch determiniert. Durch den Lebensstil kann er zwar minimal, aber klinisch kaum relevant beeinflusst werden [4]. Er gilt auch als sehr ausschlaggebender Wert für das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Bei allen anderen oben genannten Blutfetten gibt es mehrere Ursachen. Während die Familienhistorie und damit auch die Genetik als primäre Ursache eine große Rolle spielen kann, kann hier auch durch Ernährung und Bewegung nachjustiert werden [5].


Es gibt aber auch noch weitere Faktoren, die unsere Blutfette beeinflussen können: Diabetes, chronische Nierenerkrankungen, Schilddrüsenunterfunktionen, Leberschäden, Alkohol- oder Medikamentenüberlastungen [5].


Nachdem es jetzt so viele Einflussfaktoren gibt, macht es überhaupt Sinn, auf die Ernährung zu achten, oder ist das absolut irrelevant?

 

Ernährung als Risiko- und Schutzfaktor


Olivenöl als Beispiel für ungesättigte Fettsäuren
Olivenöl ist reich an ungesättigten Fettsäuren

Das Lp(a) als einer der wichtigsten Parameter zum ermitteln des kardiovaskulären Risikos ist genetisch festgelegt, weshalb er fast gar nicht durch die Ernährung beeinflusst werden kann [4]. Deshalb ist es notwendig, vor allem den Fokus auf die anderen, beeinflussbaren Parameter zu legen.


Es ist allseits bekannt, dass ein stark erhöhtes Körpergewicht sowie ein erhöhter Körperfettgehalt das Risiko für Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems erhöhen kann [6][7]. Des weiteren kann aber auch auf die Blutfette Einfluss genommen werden. Der Hauptfokus liegt hier auf dem LDL, da dies einen sehr großen Risikofaktor darstellen kann und gleichzeitig auch durch die Ernährung beeinflusst werden kann [8]. Ähnliches wie für das LDL gilt auch für das ApoB, da diese beiden Parameter auf ähnliche Weise beeinflusst werden [5].


Vor allem die Auswahl der Nahrungsfette kann hier einen großen Einfluss zeigen. Während pflanzliche Fette, wie Raps- (weltweit am häufigsten genutzt) oder Olivenöl durchaus positive Entwicklungen bewirken können, sind es vor allem die gesättigten Fette (z.B. Butter, Schmalz, Wurstwaren oder Kokosöl) und die Transfette (hauptsächlich in Fertigprodukten durch die künstliche Härtung von Pflanzenfetten) die das LDL erhöhen können und dadurch auch das kardiovaskuläre Risiko.


Ein weiterer bedeutender Nährstoff ist  Zucker bzw. die Kohlenhydrate. Während das LDL oder das ApoB kaum dadurch beeinflusst werden kann, dass man die Gesamtzuckerzufuhr bei bestehendem normalem Körpergewicht reduziert, können die Triglyceride dadurch sehr wohl gesenkt werden. Allerdings macht die Qualität hier den Hauptunterschied. Eine hohe Zufuhr an Ballaststoffen in Form von Vollkornprodukten oder Gemüse statt Weißmehl und einfachen Zucker kann mit Hinblick auf die gesamten Blutfettwerte den meisten Mehrwert liefern [8]. Dagegen kann eine Low-Carb-Diät bei Normalgewicht sogar das Gegenteil bewirken. Durch den Ersatz von Kohlenhydraten mit Fett kann es hier sogar zu einer Steigerung des LDL führen [9].


Fazit:


Knoblauch, Tomaten und Olivenöl als Teil der Mediterranen Ernährung

Die Ernährung hat einen sehr großen Einfluss auf einige unserer Blutwerte, insbesondere das LDL-Cholesterin und die Triglyceride und damit auch auf das kardiovaskuläre Risiko. Wird einerseits auf ein gesundes Körpergewicht und einen entsprechenden Körperfettgehalt geachtet, kann hier schon einiges an Prävention geleistet werden.


Auch zeigt sich, wie bereits erwähnt, dass die Auswahl der einzelnen Lebensmittel einen nicht unerheblichen Einfluss auf unsere Gesundheit haben kann. Vor allem die Fettauswahl spielt dabei eine große Rolle. Gesättigte Fettsäuren wie Schmalz, Butter, oder Kokosöl, sowie Transfette in Fertigprodukten und künstlich gehärteten Pflanzenfetten können bei regelmäßiger Aufnahme negative Folgen auf unser Blutfettprofil bewirken. Ungesättigte Fette aus hochwertigen Pflanzenölen oder auch Omega-3 Fette aus bestimmten Fischen wirken sich dagegen positiver aus. Zusätzlich zeigt eine pflanzenbasierte Ernährung, die reich an Vollkornprodukten, Gemüse und frischem Obst ist, die meisten Vorteile. Ein Beispiel hierfür ist die sogenannte Mittelmeerdiät oder mediterrane Ernährung, die sehr häufig in diesem Zusammenhang genannt wird. Ebenso kann auch eine Annäherung an eine vegetarische oder sogar vegane Ernährung helfen, das kardiovaskuläre Risiko zu senken [10][11]. Dabei ist aber wichtig zu erwähnen, dass nicht ausschließlich die Ernährungsform sondern auch die Lebensmittelauswahl innerhalb dieser von zentraler Bedeutung ist.


Um die für sich richtigen Maßnahmen zu finden, macht es aber immer Sinn, sich an einen Diätologen oder eine Diätologin zu wenden, da immer zusätzliche Faktoren in eine Ernährungsumstellung miteinfließen, die nur individuell erfasst werden können. Eine langfristige Anpassung der Ernährung kann hier aber auf jeden Fall positive Effekte zeigen.


 

Literaturverzeichnis

[1]

P.-W. Michaela, „Jahrbuch der Gesundheitsstatistik 2023,“ Statistik Austria, Wien, 2025.

[2]

G. Thanassoulis und H. Aziz, „MSD Manual,“ Merck Sharp & Dohme Corp, April 2022. [Online]. Available: https://www.msdmanuals.com/de/profi/herz-kreislauf-krankheiten/arteriosklerose/atherosklerose?query=atherosklerose. [Zugriff am 2026].

[3]

J. G. Mørland, P. Magnus, S. E. Vollset, D. A. Leon, R. Selmer und A. Tverdal, „Associations between serum high-density lipoprotein cholesterol levels and cause-specific mortality in a general population of 345 000 men and women aged 20–79 years,“ International Journal of Epidemiology, Bd. 52, Nr. 4, pp. 1257-1267, 2023.

[4]

K. Schmidt, A. Noureen, F. Kronenberg und G. Utermann, „Structure, function, and genetics of lipoprotein (a),“ Journal of Lipid research, Bd. 8, Nr. 57, pp. 1339-1359, 2016.

[5]

[6]

C. Magnussen, F. M. Ojeda und e. al., „Global Effect of Modifiable Risk Factors on Cardiovascular Disease and Mortality,“ The New England Journal of medcine, Bd. 389, Nr. 14, pp. 1273-1285, 2023.

[7]

N. Mohammadian Khonsari, P. Khashayar, E. Shahrestanaki und e. al., „Normal Weight Obesity and Cardiometabolic Risk Factors: A Systematic Review and Meta-Analysis,“ Frontiers in endocrinology: A Systematic Review and Meta-Analysis, 2022.

[8]

M. Schoeneck und D. Iggman, „The effects of foods on LDL cholesterol levels: A systematic review of the accumulated evidence from systematic reviews and meta-analyses of randomized controlled trials,“ Nutrition, Metabolism & Cardiovaskular disease, Bd. 31, Nr. 5, pp. 1325-1338, 2021.

[9]

A. Soto-Mota, Y. Flores-Jurado, N. G. Norwitz und e. al., „Increased low-density lipoprotein cholesterol on a low-carbohydrate diet in adults with normal but not high body weight: A meta-analysis,“ The American Journal of Clinical Nutrition, Bd. 119, Nr. 3, pp. 740-747, 2024.

[10]

C. A. Koch, A. W. Kjeldsen und R. Frikke-Schmidt, „Vegetarian or vegan diets and blood lipids:,“ European Heart Journal, pp. 1-16, 2023.

[11]

J. F. López-Gill, A. García-Hermoso, M. Á. Martínez-González und F. Rodríguez-Artalejo, „Mediterranean Diet and Cardiometabolic Biomarkers in Children and Adolescents,“ Jama Network Open, Bd. 7, Nr. 7, 2024.

 

 

 

 

 


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