Aschermittwoch - die Bedeutung von Nahrung jenseits des Alltäglichen
- Bojidara Ilieva MSc
- 18. Feb.
- 4 Min. Lesezeit

Aschermittwoch. Der Tag nach dem Faschingsdienstag. Heute beginnt die Fastenzeit. Die 40 Tage für Christinnen und Christen, die im Zeichen von Gebet, Almosen, Besinnung und innerer Einkehr stehen und auf Ostern vorbereiten. Sie erinnern an die 40 Tage, die Jesus in der Wüste verbrachte, wo er – von Nahrung entbehrt – in der Einsamkeit den Versuchungen widerstand.
Im Licht dieser Zeit, die von der katholischen Kirche als Phase der Entschleunigung, der Versöhnung, aber auch des Verzichts verstanden wird, möchten wir die Bedeutung und den Wert von Nahrung in der christlichen Tradition näher betrachten.
Indem wir unseren alltäglichen Ernährungsentscheidungen eine zusätzliche Bedeutungsebene verleihen, können wir unser „tägliches Brot“ in ein neues Licht rücken.
Doch zunächst: Warum Asche?
Asche und Staub symbolisieren die Vergänglichkeit des Lebens. Sie führen uns zurück zur existenziellen Wahrheit der Zeit. „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.“ Nichts bleibt verschont vom unaufhaltsamen Lauf der Zeit. Um die bekannten Worte der Band Kansas aufzugreifen: „nothing lasts forever but the earth and sky.“
Es ist selten, dass wir im Alltag so unmittelbar mit unserer eigenen Sterblichkeit konfrontiert werden. Und doch geschieht es nicht in einer Stimmung von Untergang oder Verlassenheit, sondern in einer Haltung der Anerkennung und Demut, zu der wir eingeladen werden, wenn wir über das Leben nachdenken.
Die katholische Tradition, sich am Aschermittwoch ein Aschekreuz auf die Stirn zeichnen zu lassen, reicht bis ins 10. und 11. Jahrhundert zurück. Die Asche stammt aus den verbrannten Palmzweigen des Palmsonntags des Vorjahres.

Die Fastenzeit – Bedeutung und Ausprägungen
Grundsätzlich wird Nahrung als Gabe Gottes verstanden, und das Fasten als freiwilliges, zeitlich begrenztes Opfer, bei dem geistiger Hunger und inneres Wachstum Vorrang vor dem körperlichen erhalten.
Je nach Konfession und persönlicher Entscheidung kann das Fasten sehr unterschiedlich aussehen. Es reicht von einer strengen, vollkommen tierproduktfreien Ernährung, wie sie etwa in der orthodoxen Tradition üblich ist, bis hin zu individuellen Formen des Verzichts, bei denen man sich bewusst entscheidet, auf eine bestimmte Lebensmittelgruppe zu verzichten (z.B. Fleisch, Zucker, stark verarbeitete Produkte oder in Plastik verpackte Lebensmittel).
Die Beweggründe für das Fasten sind vielfältig und persönlich. Manche stellen den Umweltschutz in den Mittelpunkt, andere das Tierwohl oder Fragen der Gerechtigkeit und Fairness. Dennoch verbindet sie ein gemeinsames Ziel: aus Großzügigkeit und aus einem guten Herzen heraus etwas Selbstloses zu tun.
Im Unterschied zu manchen anderen Religionen verbietet das Christentum grundsätzlich keine bestimmten Speisen oder Zubereitungsarten aufgrund ihrer Unreinheit oder Sündhaftigkeit. Wenn Nahrung als Gabe Gottes verstanden wird, die das Leben erhält und nährt, trägt sie weder etwas Gutes noch etwas Böses in sich.

Entscheidend ist vielmehr, wie wir ihr begegnen. Ob wir mit Dankbarkeit und Achtsamkeit einkaufen, kochen und essen, oder ob wir sie als selbstverständlich hinnehmen und den Kontakt zu ihrem eigentlichen Sinn verlieren. Zusätzlich reduzieren wir sie womöglich auf die mechanische Aufnahme von Energie, um zu funktionieren, oder wir überhöhen ihre Rolle, bis wir die Kontrolle verlieren – im ängstlichen Zählen von Kalorien und Nährstoffen oder in der Suche nach Genuss als Antwort auf eine wachsende innere Leere.
In gewisser Weise ist Nahrung immer ein Symbol der Abhängigkeit. Eine Verbindung zur Erde, die sie hervorbringt, zu den Menschen, die sie erzeugen, und zu den Systemen, die sie über den Globus verteilen. Zugleich ist sie ein Symbol des Lebens selbst – weit über ihre rein materiellen Eigenschaften wie Geschmack oder Makronährstoffe hinaus. Sie ist Gabe für den einzelnen Menschen und zugleich lebensnotwendig für alle.
Übermaß hingegen gilt als sündhaft. Die Völlerei, das maßlose, gierige Übertreiben, das einen Mangel an Selbstbeherrschung ausdrückt, zählt zu den sieben Todsünden des Christentums. Dabei liegt die Problematik nicht darin, dass Nahrung in großen Mengen auf einmal „böse“ wird, sondern vielmehr im Fehlen der Mäßigung, in der Haltung der Gier und dem Anspruchsdenken, das damit einhergeht.
In der christlichen Tradition ist die Fastenzeit eine Einladung, die äußere Nahrungsaufnahme zu reduzieren und sich dem Geistigen zuzuwenden. Dem, was die Seele nährt. Sie beinhaltet auch das Bewusstsein für unsere eigenen Segnungen und Privilegien. Fasten ruft zur Solidarität mit den Hungernden und Benachteiligten auf. Es erinnert uns an jene, denen es am Grundlegenden fehlt und fördert unser Mitgefühl. Indem wir uns bestimmter gewünschter Produkte enthalten, üben wir Resilienz, Demut, Herzlichkeit und eine wachsende Aufmerksamkeit für die Welt um uns herum.

Schlussgedanken
Wenn die Asche ein kleines Kreuz auf die Stirn zeichnet, erinnert sie uns an unsere Grenzen und an unsere Abhängigkeit. Staub und Brot, Sterblichkeit und Nahrung.
Vielleicht geht es in der Fastenzeit nicht nur darum, auf etwas zu verzichten, sondern darum, unser Sichtfeld zu erweitern. Unsere Mahlzeiten mit Ehrfurcht, statt Hast zu betrachten und zu erkennen, dass das, was uns erhält, niemals ausschließlich unser eigenes Werk ist.
In der Schlichtheit eines einfachen Tellers, im bewussten „Genug“, können wir die tiefere Bedeutung unseres täglichen Brotes neu entdecken. Nicht als etwas, das uns zusteht, sondern als etwas, das uns geschenkt wird.
Und vielleicht ist diese stille Achtsamkeit selbst eine Form der Nahrung.

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